Zwißler ist nah dran an seinem Helden. (...) Er schreibt farbig, kurzweilig und nicht selten witzig aus der sehr genau beobachteten Perspektive eines wachen, offenen Geistes, der es allerdings ziemlich gut beherrscht, die potenziell bedrohlichen Fragen nach Schuld und Verantwortung auszublenden. Eine weitere Geschichte einer gescheiterten Liebe – mit einer Art unparteiischer Anteilnahme erzählt. „Vielleicht tut es manchem Leser ja leid um die beiden“, sagt Zwißler.
Quelle: Schweinfurter Tagblatt
Die Kunst des Scharfrichters und der Nutzen des Schafotts ist keine kuschelige Lektüre vor dem Einschlafen. In diesem Buch werden viele Grausamkeiten geschildert, die wenigsten davon begeht der Scharfrichter. Hanns Peter Zwißler ist ein beklemmend realistisches Buch über die erste Phase der Großen Französischen Revolution gelungen, ein Buch, das nachdenklich stimmt und dem Leser viel zu verkraften gibt. Ein außergewöhnliches Thema und eine gelungene Erzählung, in sich stimmig, in die Tiefe gehend und mit philosophischem Anspruch.
Quelle: Histo-Couch
Ein Marktplatz im Frankreich des 18. Jahrhunderts, kurz vor der Revolution. Ein Verbrecher wird aufs Podest geführt. Die Menge brodelt. Und aller Augen sind auf ihn gerichtet, den Scharfrichter, dessen Aufgabe es nun ist, den Kopf sauber vom Rumpf zu trennen. „Wenn der Scharfrichter ausholt, ducken sich sämtliche Nacken unter sein Schwert“, sagt Samson, Scharfrichter und Protagonist des Romans „Die Kunst des Scharfrichters und der Nutzen des Schafotts.“ (...)
Zwißler beschreibt in nüchternem, sachlichem Ton, wie eine mühevoll erlernte Arbeit durch ein technisches Instrument überflüssig wird. Aber es geht auch um Samsons Familie, die allmählich in die Zweifel der Zeit gerät. Dabei bleibt der Roman, obwohl er ein übergreifendes Thema behandelt, fest in seiner Epoche verankert, mit liebevollen historischen Details und kenntnisreichen Beschreibungen von Figuren und Hintergründen. (...)
Sprachlich überzeugend und atmosphärisch packend beschreibt er die Auseinandersetzung des Scharfrichters mit der neuen Entwicklung, seine Verweigerung gegenüber dem, was letztlich unumgänglich ist: Die Kunst des Scharfrichters wird dem Nutzen der Guillotine weichen.
Quelle: Schweinfurter Tagblatt
„Die Kunst des Scharfrichters und der Nutzen des Schafotts“: der Titel des in diesem Sommer auf den Markt gekommenen Romans von Hanns-Peter Zwißler verheißt „starken Tobak“. Scharfrichter Samson, am Vorabend der Französischen Revolution, sieht die Ordnung der Monarchie in Frankreich gefährdet. Nicht nur die Verbrechen drohen sich explosionsartig zu vermehren, auch die Intellektuellen und einige herausragende Repräsentanten des monarchistischen Systems scheinen durchzudrehen. Selbst Pfarrer haben offenbar Probleme, ihren Beruf auszuüben, in dem sie doch eigentlich bescheiden auf das jenseitige Leben hinweisen sollten. Stattdessen faseln sie von Glück und Gerechtigkeit im Diesseits.
Feinfühlig formuliert Samson in seinem kopf Befürchtungen über die Zukunft seiner Berufsausübung, während seine jüngere Tochter rebelliert und auch die Ehefrau kecke Sprüche vom Stapel lässt. Ein universeller Hexenkessel entfaltet sich um den Scharfrichter, der sich mit seinem Berufsethos an den Rand der Gesellschaft gedrängt fühlt. In seiner Stadt tobt der Mob, verändern sich soziale Strukturen atemberaubend. Da wird Samson plötzlich vom Rat der Stadt verpflichtet – er hat keine Wahl, ein revolutionäres Tötungsinstrument für die Recht-sprechung zu konstruieren, die Guillotine, um der neuen und erschreckenden Verbrechen Herr zu werden. Er ist alles andere als glücklich. Die Ereignisse überschlagen sich.
Der bayerische Historiker und Germanist Zwißler („Der Bröll“, 1998) hat sich fürwahr heißen Stoff ausgesucht. Die Durchsetzung von Recht und Gerechtigkeit in dieser Welt und in einer unruhigen Zeit. Diesen Stoff aber strickt er nicht mit heißer Nadel, vielmehr kommt die Darstellung der chaotischen Zustände im damaligen Frankreich wie ein idyllischer Familienroman Profunder Kenner der Geschichte einher, der sich das Leben der Scharfrichterfamilie vornimmt: er macht das gründlich, einfühlsam und doch sehr kritisch, wie es sich für einen profunden Kenner der Geschichte gehört. Überdies schreibt er für uns historische Grünschnäbel, als spielte der Roman in einer heutigen Kleinstadt Frankreichs.
So wird das Seelenleben des Henkers (Pardon: des Scharfrichters) vor uns ausgebreitet wie die Konfliktlage eines bedeutenden Zeitgenossen, der die Zeitläufte entscheidend beeinflusst hat: Sehr gut nachvollziehbar und lebendig, aber doch in der Spur epochaler Konflikte. Stringent und unerbittlich! Dabei nützt Zwißler die Spannung zwischen dem biederen Ernst der Moral eines Henkers und der braven Idylle des Familienlebens kurz vor einem Volksaufstand, der Europa tiefgreifend erschütterte. Zwißler lässt uns auch teilhaben an seinem persönlichen Kampf um die eindrucksvollsten Hintergründe des Romans und an seinen vorbereitenden Überlegungen, indem er eine Literaturliste (zur Französischen Revolution) anhängt. Eine originelle Idee! Zum henker, ein verrückter und spannender historischer Roman!
Fange mit einer Katastrophe an und versuche dich zu steigern: Der Autor Hanns Peter Zwißler beherzigte mit „Alles im Fluss“, seinem Bühnendebüt, die Hollywood-Weisheit: Für die Inspiration sorgte der Hurrikan Katrina, der 2005 New Orleans verwüstet hat, und das Versagen der Bush-Administration. (...)
Die Sinn-Flut in den gedrechselten Dialogen ufert manchmal aus, am Ende könnte manch einer die Schlusspointe vermissen. Dennoch ist „Alles im Fluss“ ein hochkarätiger Zwißler, voller ironischer Anspielungen auf die Bibel oder die Mythologie der Antike und deftiger Satire, Entmannung inklusive: In dieser „WG wider Willen“ wird gehasst, gefeilscht, gedroht, gedemütigt, geliebt – auch den Schauspielern nimmt man die Doppeldeutigkeit ihrer Figuren ab.
Alles scheint in der Postapokalypse auf den Kopf gestellt.: „Onkel Tom“, dem Namen nach Symbolfigur der schwarzen Bürgerrechtsbewegung Amerikas, ist ein Vergewaltiger und Rassist, der seinen Kampfhund auf naive Latino-Kinder loslässt.
Hanns Peter Zwißler: "Die winkende Katze", 144 S., Reimund Maier Verlag, 14,50 Euro, ISBN 978-3-926300-59-1
"Der Bröll", das ist der kernige Patriarch einer Allgäuer Bauernfamilie, dessen Existenz den Hintergrund bildet für die Jugendgeschichte seines Enkels Fidelis Bröll, des Ich-Erzählers des gleichnamigen Erstlingsromans Hanns Peter Zwißlers. Eine Allgäuer Familiensage also, wie der Verlag etwas vollmundig auf dem Umschlag ankündigt? Ein Weniger und ein Mehr zugleich: Für eine „Allgäusaga" fehlt der lange Atem, die Kontinuität über Generationen hinweg. Stattdessen breitet Zwißler in drei Teilen zunächst sein Personal, größtenteils recht skurrile Gestalten des dörflichen Lebens in Zwißlers Heimatregion um Sonthofen, vor dem Leser aus und gibt dann im zweiten Teil einen Einblick in die Erziehungsgeschichte des Fidelis Bröll vor dem Hintergrund von nationalsozialistischer Zeit, der Nachkriegsjahre und des grundlegenden Wandels bäuerlicher Existenz in der Wirtschaftswunderzeit und des aufkommenden Tourismus.
Man findet in Zwißlers Roman das ganze Inventar des kritischen Heimatromans und seiner unvermeidlichen Klischees, diese jedoch - und das ist (wie bei seinem schwäbisch-alemannischen Landsmann Arnold Stadler) das Neue - ins Komische und Groteske gewendet, selbst der Einbruch der NS-Zeit in das Dorf läßt sich nur als Farce erleben.
Im dritten Teil führt Zwißler den Leser aus dem Allgäu hinaus in die Großstadt Frankfurt, wo der der heimischen Enge entfliehende Fidelis einer Drückerkolonie in die Hände fällt und - für solch ein Leben mehr schlecht als recht vorbereitet - straffällig wird. Nach Verbüßung der Strafe kehrt er nur heim, um seinen Großvater und Übervater Bröll sterben zu sehen, seine Zukunft liegt in einer weiteren dubiosen Existenz, nunmehr in München.
Ein Roman, der etwas anderes ist als eine popularisierende Denunziation tumben Hinterweltlertums in einem abgelegenen Alpental, mehr ist als ein Psychogramm katholischer Familien- und Heimerziehung zu Duckmäusertum und Heimlichtuerei und eine Darstellung von gesellschaftlichen Umbruchprozessen. Zwißlers Erstlingsroman bietet nicht mehr und nicht weniger als einen kritischen, witzigen und zugleich unterhaltsamen Einblick ins das Unzulängliche und Groteske menschlichen Existierens.
Hanns Peter Zwißler, Jahrgang 1946, geboren in Sonthofen, in Schweinfurt lebend, hat in der renommierten „Edition Isele", in der u.a. Martin Walser, Jürgen Lodemann, W.H. Fritz, Johannes Poethen veröffentlichten, einen Roman vorgelegt, der über seine Allgäuer Heimat oder unterfränkische Wahlheimat hinaus Beachtung finden wird.
Hanns Peter Zwißler: Der Bröll. Roman. Eggingen (edition Isele), 169 Seiten.